"Die Nordsee - Sieben Inseln - Eine Küste" sieht Offshore- und Nearshore-Vorhaben kritisch
Der Aufsichtsrat der Marketinggesellschaft "Die Nordsee - Sieben Inseln - Eine Küste" hat sich kritisch mit den Offshore-Projekten und Nearshore-Vorhaben im Hinblick auf die Nutzung der Windkraft in der Deutschen Nordsee auseinander gesetzt. Dabei wurde deutlich, dass die Nutzung der Windenergie grundsätzlich positiv bewertet wird, gleichwohl aber schädigende Auswirkungen auf den Tourismus unbedingt vermieden werden müssten.
Schließlich gehe es um mehr als 25 Millionen Übernachtungen pro Jahr, die für die meisten Menschen auf den Ostfriesischen Inseln und in der Küstenregion Niedersachsens das wirtschaftliche Überleben sicherten. "Wind war zu allen Zeiten wirtschaftlicher Antrieb in der Nordseeregion, ob nun als klassische Windmühle oder moderne Windkraftanlage", so Hartmut Schormann, Vorsitzender des Aufsichtsrates. Allerdings, so Schormann, sei die wirtschaftliche Bedeutung des Tourismus für die Nordseegemeinden inzwischen so hoch und der Gast so sensibel, dass jede Beeinträchtigung dieses wichtigsten Wirtschaftszweiges an der Nordsee verhindert werden müsse.
Frerich Göken, stellvertretender Aufsichtsratsvorsitzender: Windkraftanlagen vor den Ostfriesischen Inseln könnten nur dann akzeptiert werden, wenn sie von den Gästen am Strand nicht wahrgenommen werden. Es sei ohnehin heute bereits so, dass der Blick von den Inseln zur Küste dadurch getrübt sei, dass sich zahllose Windenergieanlagen und Windparks aneinander reihten. Ähnliche Verhältnisse seien auf der Seeseite der Inseln nicht hinnehmbar. Daher müssten insbesondere Nearshore-Vorhaben, also Windenergieanlagen unmittelbar vor den Inseln, auf alle Fälle verhindert werden. Die damit einhergehende erhebliche Veränderung des Landschaftsbildes mit dem freien Blick auf das Meer als einer wesentlichen Charakteristika einer Nordseeinsel und die erhebliche Beeinträchtigung der natürlichen Umgebung sei nicht hinzunehmen.
Diese Position wird vom gesamten Aufsichtsrat unterstützt. Auf den täglichen Flügen zu den Inseln könne die Entwicklung hautnah erlebt und beurteilt werden. Die Vorstellung, innerhalb und außerhalb der 12-Seemeilen-Zone in der ausschließlichen deutschen Wirtschaftszone über 2000 Windenergieanlagen mit einer Höhe von 160, möglicherweise sogar 200 Metern zu erleben, sei unerträglich.
Neben den Problemen der Sicht- und Wahrnehmungsbeeinträchtigung der Gäste durch zu nahe an der Küste stehende Windenergieanlagen macht auch der sehr starke Schiffsverkehr im Planungsgebiet und mögliche Auswirkungen auf Flora und Fauna dem Aufsichtsrat der Nordsee Sorgen. Bevor auch diese Probleme nicht gelöst sind, könne eine vorbehaltlose Zustimmung nicht gegeben werden, so der Aufsichtsrat. Die Gefahr von Schiffskollisionen mit den dann zu erwartenden massiven Auswirkungen auf den Tourismus an der Küste und auf den Inseln der Nordsee sei bereits jetzt sehr groß und würde durch die Windkraftanlagen vermutlich erheblich steigen.
Auch könne bisher niemand sicher einschätzen, welche Wirkungen die Anlagen auf den Vogelflug und die Meeressäuger wie Wale und Robben hätten. Völlig ungeklärt sei darüber hinaus, auf welchen Transportwegen der erzeugte Strom dorthin gelange, wo er benötigt werde, denn die Inseln und Küsten selbst benötigten Strom in der erzeugten Menge naturgemäß nicht.