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27.11.2002 - Südwest Presse

Der Windkraft wird erstmal die Luft abgedreht

Landschaft / Südbadens Naturschutzbeauftragte warnen vor optischer Fernwirkung
Die Naturschutzbeauftragten Südbadens verweigern ihre Zustimmung zum Bau großer Windkraftanlagen auf den Höhen des Schwarzwaldes und im Rheintal.
Freiburg
Alle bei den Landratsämtern im Regierungsbezirk Freiburg tätigen Naturschutzbeauftragten haben sich in einer Resolution für einen Aufschub in den laufenden bau- und naturschutzrechtlichen Genehmigungsverfahren für neue Windkraftanlagen ausgesprochen. Sie fordern eine die Gemeindegrenzen übergreifende Landschafts- und Regionalplanung zur Standortsuche. Sonst drohe eine "technische Überformung des Landschaftsbildes in ökologisch und touristisch hochwertigen Landschaften", begründet Karl-Ludwig Gerecke als Sprecher der Naturschutzbeauftragten die Forderung seiner Mitstreiter nach einem Planungsstop.
Die Fernwirkung der Windräder werde allgemein unterschätzt. Sie seien weithin sichtbar. "Es gibt schon lange keine kleinen Rädle mehr, die allen gefallen", sagt Gerecke, ehrenamtlicher Naturschutzbeauftragter und Leiter des staatlichen Forstamtes in Schluchsee. Anlagen mit 140 Metern Höhe seien keine Seltenheit mehr. Wegen der möglichen Dimensionen der Anlagen und der damit verbundenen optischen Fernwirkung sei die Genehmigung für neue Windkraftanlagen allein auf der Ebene gemeindlicher Planungshoheit nicht mehr möglich, stellen die Naturschutzbeauftragten fest. "Bis zum Vorliegen einer regional wirksamen und Gemeindegrenzen übergreifenden naturschützenden Landschaftsplanung sehen sich die südbadischen Naturschutzbeauftragten deshalb nicht mehr in der Lage, Anträgen zur Windkraftnutzung zuzustimmen", heißt es wörtlich in der Resolution.
Die pauschale Ablehnung von neuen Windkraftanlagen sei ein unglaublicher Vorgang, kritisiert Sylvia Pilarsky-Grosch vom Windenergie-Regionalverband Südbaden die Entscheidung der Naturschutzbeauftragten. Deren Klage über die bisherige Handhabung sei ein Eingriff in die Planungshoheit der Kommunen, der ihnen nicht zustehe.
"Sie missbrauchen ihre Position", wettert Pilarsky-Grosch. Stellungnahmen der Naturschutzbeauftragten seien bisher wichtige Planungsgrundlagen gewesen und vielfach umgesetzt worden. Die jetzt erfolgte allgemeinpolitische Negativaussage könne aber niemand "wirklich ernst nehmen". Angesichts des bisher geringen Anteils der erneuerbaren Energie Windkraft an der Stromproduktion im Land mit gerade sieben Prozent müssten sich die Naturschutzbeauftragten schon fragen lassen, ob sie mit dieser Entscheidung ihrer Gesamtverantwortung für Natur und Umwelt gerecht würden.
Nach Einschätzung des Landesverbandes Windenergie gefährdet die von den Naturschutzbeauftragten beschlossene Verhinderungspraxis Arbeitsplätze in mindestens 180 baden-württembergischen Zuliefererbetrieben für Windkraftanlagen. Wegen langwieriger Genehmigungsverfahren könnten schon jetzt im Land neue Anlagen im Auftragswert von 300 Millionen Euro nicht in Produktion gehen, zog Verbandssprecher Josef Pesch jetzt Bilanz.
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