Windenergie Gegen den umweltfreundlichen Energieträger formiert sich namhafte bürgerliche Opposition
Bundesrat Moritz Leuenberger hätte sich über ein Ja zur Moratorium-plus-Initiative am 18. Mai gefreut. Doch ihm schwante schon vor der Abstimmung, dass es die danach nötigen energiepolitischen Massnahmen schwer haben würden. Mit dieser Einschätzung lag er richtig, wie das Ringen um das «Wie weiter» in der Energiepolitik zeigt.
Jetzt formiert sich in der Schweiz sogar namhafte Opposition gegen eine Forcierung der Windenergie. Gestern stellte ein 60-köpfiges Komitee in Bern ein «Manifest für die Erhaltung der Schweizer Landschaft gegen ihre Industrialisierung durch die Errichtung von Windturbinen» vor. An dessen Spitze argumentieren der emeritierte HSG-Dozent Hans-Christoph Binswanger und die freisinnige St. Galler Ständerätin Erika Forster, Stiftungsratsmitglied der Stiftung für Landschaftsschutz (SL) und Präsidentin des Energieausschusses der FDP Schweiz. Die Freisinnigen sind im bisher 60-köpfigen Komitee sehr prominent vertreten. Mit dabei sind Nationalrätin und SL-Präsidentin Lili Nabholz (ZH), die neue FDP-Präsidentin Christiane Langenberger sowie die SVP-Ständeräte Hans Hofmann (ZH) und Maximilian Reimann (AG). Selbst Bruno Kläusli, Präsident des Zürcher Heimatschutzes, und Opponenten aus dem Jura - der Region mit sehr guten Windturbinenstandorten - warnen vor diesem Weg.
Hauptsorge der Opponenten sind die immer grösser werdenden Windkraftanlagen.
Die Schweizer Topographie sei dafür nicht geeignet. Die Energieausbeute der Turbinen, die auf exponierte Hügelspitzen und Kuppeln gestellt werden müssen, sei im Verhältnis zur Landschaftsbelastung zu gering. Gemäss Erika Forster will der Bund die Windstromausbeute bis zum Jahr 2010 verzwanzigfachen. Das entspräche einem künftigen Anteil am Strommix von 0,2 Prozent, relativiert Forster die auf dieser Energieform ruhenden Hoffnungen. Die Windstrom-Gestehungskosten seien etwa drei- bis viermal so hoch wie beim konventionellen Strommix und die Qualität des Windstroms «weit geringer» als die des aktuellen Kraftwerkparks. Hartes Fazit des Manifests: «Die Windenergie ist ökologisch wertlos.»
Soll die Schweiz die Dinge einfach treiben lassen? Nein, sagen die Opponenten: Wasserkraft, Nutzung von Holz und organischen Abfällen, Geothermie und thermische Nutzung von Sonnenenergie «im Rahmen ihres Potenzials und der Umweltverträglichkeit» verdienten Unterstützung. Binswanger argumentiert, das Energiegesetz verlange nicht eine Förderung aller erneuerbaren Energieträger. Er schlägt vor, «die knappen finanziellen Mittel für eine konsequente Verfolgung einer Strategie der Energieeinsparung und der Erhöhung der Effizienz bei Erzeugung und Nutzung von Energie inklusive Wärme-Kraft-Kopplung» einzusetzen. (Kg.)