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25.06.2003 - Thurgauer Zeitung

Ist der Wind schnell genug?

Falls der Wind im jährlichen Durchschnitt mit mindestens 3 Metern pro Sekunde über den Nollen weht, stehen die Chancen gut, dass dort bald eine Leichtwindanlage erstellt werden kann. Zurzeit wird gemessen.

Hosenruck - Angenehm ist es bei diesen heissen Temperaturen auf dem Nollen. Der Wind bläst einem um die Ohren und bringt Frische in überhitzte Köpfe. Doch wenn es nach der Winterthurer Firma Aventa AG geht, soll der Wind noch mehr bringen: Energie nämlich. Im Auftrag des kantonalen Departementes für Inneres und Volkswirtschaft, Abteilung Energie, misst die Firma auf dem Nollen, dem Chapf, in Felben-Wellhausen und auf dem Seerücken Windgeschwindigkeiten. So soll herausgefunden werden, welche Gebiete im Thurgau sich überhaupt als Standorte für Leichtwindanlagen eignen. Bislang vier Standorte haben es «in den Final» geschafft, mehrere Dutzend andere sind aus Gründen des Landschaftsschutzes oder sonstigen Problemen nach einer Potenzialanalyse bereits ausgeschieden. Die Nase vorn hat der Standort Berg, wo am Wochenende die erste Thurgauer Leichtwindanlage in Betrieb genommen wird - allerdings ausserhalb dieses Projektes des Kantons.

Der Aussicht nicht im Weg
Wieso gehört der Nollen zu den auserwählten Gebieten? «Weil dort gute Windverhältnisse herrschen und weil es bezüglich des Landschaftsschutzes keine Probleme geben sollte», sagt Ueli Spalinger von der Aventa AG. So ein Windrad wäre der schönen Aussicht nicht im Weg, meint er, denn die Anlage käme etwas abseits des Restaurants und Ausflugszieles zu stehen. Der Windmessmast wurde zwar bereits am 10. Juni aufgestellt, erste Resultate liegen laut Spalinger aber noch nicht vor. Die Aufzeichnungen dauern normalerweise zwischen drei und acht Monaten. Das ist nötig, weil man die jährliche Durchschnittsgeschwindigkeit ermitteln muss, um sicherzustellen, dass ein Standort für die Energieproduktion mittels Wind geeignet ist. «Mindestens 3 Meter pro Sekunde sollten es schon sein», erklärt Spalinger. Er ist zuversichtlich, dass auf dem Nollen Wind in Strom umgewandelt werden könnte.

Sind die Ergebnisse der Messungen positiv, heisst das noch nicht, dass sich auf dem Nollen bald ein Windrad dreht. Denn die allfällige Frage nach der Finanzierung eines Baus sei noch nicht geklärt, so der Fachmann. Verschiedene Möglichkeiten würden in Betracht gezogen.

Anlage kostet etwa 120 000 Franken
Bei der kantonalen Abteilung Energie heisst es: «Es ist denkbar, dass man Pilotanlagen unterstützt.» Schliesslich sei man daran interessiert, dass die Anlagen «zu stehen kommen», wie Christoph Bartholdi erklärt. Der Nollen sei unter anderem in der Evaluation als möglicher Standort gewählt worden, weil die Region um eine touristische Attraktion reicher würde. Eine Leichtwindanlage des Typs AV-7, die sich in der Schweiz bereits mehrfach dreht und von der Aventa AG hergestellt wird, kostet rund 120 000 Franken. Sie sind speziell für Standorte mit leichten und variablen Winden konzipiert. Vorstellen darf man sich keine Grossanlagen wie in Norddeutschland oder Holland - die Leichtwindanlage besteht aus nur einem Windrad und wird laut Ueli Spalinger mehrheitlich als schön beurteilt. Der Mast ist 18 Meter hoch, der Durchmesser des Rotors beträgt knapp 13 Meter.

Für drei bis vier Haushaltungen
Viele Gründe sprechen dafür, die saubere und unerschöpfliche Windenergie zu fördern. Aber wie viel Energie lässt sich mit einer Leichtwindanlage tatsächlich gewinnen? Es komme darauf an, wie hoch die Windgeschwindigkeit sei, sagt Spalinger. Bei einer durchschnittlichen Jahresgeschwindigkeit von 3 Metern pro Sekunde seien es 12 700 Kilowattstunden pro Jahr, «das reicht im Schnitt für drei bis vier Haushaltungen».

Auf dem Nollen noch nicht geregelt ist, ob gemäss dem Baureglement der Gemeinde Wuppenau ein Bau einer Leichtwindanlage überhaupt möglich wäre.

Der Gemeinderat weist in einem Schreiben an die Aventa AG darauf hin, dass der Nollen eine Spezialzone sei. Das bedeutet laut Gemeindeschreiber Markus Belz, dass Bauten eines Gestaltungsplanes bedürfen, der öffentlich aufgelegt werden müsse. Somit hätte auch die Bevölkerung ein Mitspracherecht.

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