Bei der Nutzung von Wind- und Solarenergie, in geringerem Umfang auch von (Lauf-) Wasserkraft, sind wir stark abhängig von der Natur. Ihr Angebot stimmt tages- und jahreszeitlich nicht überein mit unserer Energienachfrage. Das gilt auch und gerade im Elektrizitätssektor. Auf Wind- und Solarkraftwerke allein lässt sich deshalb eine Stromversorgung in einem mitteleuropäischen Industriestaat wie Deutschland nicht gründen. Vielmehr müssen in ausreichendem Umfang Reservekapazitäten in Form von Kohle- und Gaskraftwerken vorhanden sein für die Zeiten, in denen die Sonne nicht oder kaum scheint und der Wind zu unregelmäßig (Böen), zu schwach (Flaute) oder zu stark (Sturm) weht. Wieviel Reserveleistung bei einem starken Ausbau von Solar- und Windanlagen (sowie von Laufwasserkraftwerken) gebraucht werden, ist in einer umfangreichen Studie an der RWTH Aachen untersucht worden. Dabei wurde vorausgesetzt, dass die Zuverlässigkeit der Stromversorgung (nur wenige kurze Stromausfälle im Jahr) nicht absinkt. Angenommen wurde ein allmählicher Zubau von 4.300 Megawatt (MW) Laufwasserkraft, 6.200 MW Windenergie (Inzwischen schon doppelt so viel installiert) sowie alternativ 40.000 und 100.000 MW Sonnenenergie. Für 4.300 + 6.200 + 40.000, zusammen also 50.500 MW, müssen 46.000 MW in Reservekraftwerken bereitgehalten werden. Nur 4.500 MW können durch die Nutzung der drei regenerativen Energien ersetzt werden. Bei einer Zunahme der Solarkapazität auf 100.000 MW, die manchen auf lange Sicht vorschwebt, wäre das Verhältnis noch krasser.
Das sog. Substitutionspotenzial der Laufwasserkraft beläuft sich nach der Studie auf immerhin 42 %, dasjenige der Windenergie aber nur auf 14 % und dasjenige der Sonnenenergie gar nur auf 4,5 % (bei 40.000 MW) bzw. 1,5 % (bei 100.000 MW).
Diese nüchternen Zahlen gießen viel Wasser in den Wein der Nutzung regenerativer Energien zur Stromerzeugung.
Von Kurt W. Edwin
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