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06.08.2003 - ZDF Heute

Windparks geraten in die Kritik

Immer mehr Windparks erobern die deutschen Landschaften und sollen für einen höheren Anteil der "sauberen Energien" sorgen. Doch die Anlagen zerstören die Landschaften und sind oft ineffizient. Argumentiert wird zwischen Umweltschutz und Umweltverschmutzung.
Ziemlich hässlich, in jedem Fall imposant und umweltfreundlich - so sehen die meisten wohl die Windkraftanlagen. Ein Attribut kommt noch hinzu: lukrativ - zumindest für die Betreiber. Die Windkraft-Lobby wirbt entsprechend: mit einer grünen Anlage schwarze Zahlen schreiben.
Johannes Lackmann vom Bundesverband Erneuerbare Energien hält die Anlagemöglichkeit für eine tolle Sache: "Erneuerbare Energien sind eine hervorragende Möglichkeit, weil es seit Einführung des Erneuerbare-Energien-Gesetzes nicht mehr nur durch Idealismus getragen werden muss, in diese Sache zu investieren, weil man auch die Chance hat, gegebenenfalls Geld damit zu verdienen." Höhere Kosten für die Verbraucher
Denn die Energieunternehmen sind verpflichtet, den Windradbetreibern eine feste Einspeisevergütung zu zahlen - am Anfang knapp neun Cent pro Kilowattstunde - das ist dreieinhalb mal so teuer wie bei sonstigen Kraftwerken. Und letztlich zahlen das Firmen und Privatleute mit ihrer Stromrechnung.
Doch die Energie-Unternehmen beklagen sich nicht nur über die Zwangspreise, die sie zahlen müssen. Guido Knott von der Geschäftsleitung der E.ON Energie AG zählt weitere Kostenfaktoren auf: "Hinzu kommen Kosten für die so genannte Regel- und Reserveenergie, um den nur äußerst sporadisch anfallenden Windstrom auszugleichen. Außerdem sind zu berücksichtigen systemspezifische Kosten für den Ausbau des Stromnetzes."
Unmut über Subventionslast
Diese zusätzlichen Maßnahmen der Energieversorger kosten die Stromkunden in diesem Jahr rund 450 Millionen Euro - zusätzlich zu der Einspeisevergütung für die Windkraftbetreiber in Höhe von zwei Milliarden. Außerdem subventioniert der Staat Zinsen für Förderdarlehen. Das kostet rund 150 Millionen. Insgesamt summiert sich dadurch die Windkraft-Förderung auf 2,6 Milliarden Euro. Bei rund 50.000 Jobs in der Windbranche heißt das: Jeder Arbeitsplatz wird mit etwa 52.000 Euro jährlich subventioniert.
In der Politik regt sich Unmut über die Zwangs-Förderung der Windkraft. Der bayerische Wirtschaftsminister Otto Wiesheu (CSU) fordert Verbesserungen: "Das muss korrigiert werden und zwar deshalb, weil bei windhäufigen Standorten die Förderung absolut überhöht ist. Das merkt man an den Werbematerialien, die man bekommt für sichere Geldanlagen bei der Windenergie, die dann der Stromkunde bezahlen muss, und der kann sich nicht wehren."
Geothermik wäre günstiger
Rot-grün will an der Windkraft-Förderung festhalten, aber das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) soll angepasst werden. Bundesumweltminister Jürgen Trittin (Grüne) rechnet mit Preissenkungen: "Die Festpreise für alle erneuerbaren Energien unterliegen einer ständigen Überprüfung. Dort, wo aufgrund des technischen Fortschritts heute Strom billiger produziert werden kann, wird es wird mit der Novelle des EEG zur Senkung von Einspeisevergütungen kommen."
Doch es ginge auch ganz anders: Der Schweizer Ökonom Hans Binswanger - ausgezeichnet mit dem deutschen Naturschutzpreis - sieht die Windkraftförderung als Fehlinvestition. Der Professor vom Institut für Wirtschaft und Ökologie in St. Gallen hält nicht viel von der milliardenschweren Subvention der Windkraft: "Es ist viel günstiger, die Energieeffizienz zu erhöhen, die Energieeinsparung vorzunehmen, und es gibt günstigere Alternativen dazu, vor allem die Kraft-Wärme-Koppelung und schließlich die Geothermie, das heißt, die Nutzung der Erdwärme aus der Tiefe."
Windkraft als ökologisch wertvoller Subventionsempfänger? Zumindest selbstverständlich ist das nicht mehr.
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