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16.01.2004 - CH-Forschung

Mit weniger Energie komfortabler leben

Basel wird zur Pilotregion der 2000-Watt-Gesellschaft der ETH-Bereiche

(ch-fo - 09.11.2003) Das Haus der Zukunft kommt praktisch ohne Heizenergie durch den Winter, das Auto von morgen fährt mit klimafreundlichem Treibstoff: Basel wird zur Pilotregion der 2000-Watt-Gesellschaft und zeigt anhand konkreter Projekte auf, wie sich’s mit einem Drittel der Energie, die wir heute benötigen, sehr gut leben liesse.
 

Abfall liegt auf den Schottersteinen, die Geleise sind von Brombeergestrüpp überwuchert: noch ist der ehemalige Güterbahnhof der Deutschen Bahn im Norden Basels ein Stück Niemandsland. In zehn Jahren aber steht hier, wenn alles klappt, ein Stadtquartier der Zukunft. Darin sollen auch die seltenen Pflanzen und Tiere ein Plätzchen behalten, die sich nach der Zerstörung der letzten Rheinauen vor hundert Jahren zwischen den Geleisen neuen Lebensraum erobert haben. Die Nutzungsordnung sieht vor, dass nur elf der neunzehn Hektaren des Areals überbaut werden; der Rest bleibt grün. So finden auch die Menschen, die hier in verdichtet gebauten Wohnsiedlungen und Büros leben und arbeiten werden, Erholungsraum direkt vor der Haustür. Gebaut wird auf dem Areal zwar frühestens ab 2006. Aber Dominik Keller vom Baudepartement des Kantons Basel-Stadt ist zuversichtlich: „Die Chancen, dass hier Zukunftsweisendes gelingt, stehen gut.“ Die Grundeigentümerin habe signalisiert, dass sie mitmache beim Plan, nachhaltig zu bauen. Alle Gebäude werden einen Viertel weniger Heizwärme verbrauchen als Neubauten nach Vorschrift. Und zehn Prozent der Bauten werden Pilot- und Demonstrationsprojekte von EnergieSchweiz sein: Hier kommen neue, umweltschonende Materialien sowie innovative Dämm- und Heiztechniken zum Einsatz. Auf diese Weise ist es möglich, den Heizenergieverbrauch im Vergleich zum heutigen Durchschnittshaus auf einen Zehntel zu senken.

Mit 2000 Watt geht’s auf
Basel ist Pilotregion der 2000-Watt-Gesellschaft, einem Projekt von „novatlantis“: Unter diesem Begriff bündeln die ETH-Bereiche ihre Forschung für eine nachhaltige Entwicklung und haben eine entsprechende Koordinationsstelle geschaffen. Die Rechnung: Wenn die reicheren Länder auch den ärmeren Entwicklung zugestehen (wozu Energie nötig ist), und wenn das Klima nicht weiter aufgeheizt werden soll, dann stehen uns global 2000 Watt energetische Leistung pro Kopf zu. Dies ent-spricht einem „Guthaben“ von jährlich 1‘150 Litern Heizöl oder Benzin. Allerdings müssen drei Viertel dieser Energie aus erneuerbarer Quelle stammen – nur so lässt sich‘s auf Dauer gesund leben und wirtschaften.
In der Schweiz beanspruchen wir derzeit 6‘000 Watt pro Person. Eine Reduktion auf einen Drittel wird zwar erst bis 2050 angestrebt. „Wir wollen aber schon jetzt aufzeigen, wie wir uns dem Ziel in Etappen nähern können“, sagt Christoph Hartmann von „novatlantis“. So sorge man zum Beispiel dafür, dass neue Erkenntnisse aus der Forschung schnell für die Baupraxis verfügbar seien, ergänzt André Moosmann. Er arbeitet am Institut für Energie der Fachhochschule beider Basel, das für die Pilotregion Basel die Koordination übernimmt. Im Baubereich, in den gut ein Drittel des Energieverbrauchs fliesst, müsse man jetzt mit der Umsetzung starten: „Hier sind die Erneue-rungszyklen lang – wir stellen die Weichen für 2050 heute und müssen deshalb sofort zur Stelle sein, wenn irgendwo im grossen Stil gebaut wird.“

Freizeitangebote im Quartier
Ein Projekt der Pilotregion Basel ist bereits weit fortgeschritten. Im Basler Gundeli-Quartier hat eine Initiativgruppe ein ehemaliges Industrieareal im Baurecht übernom-men und umgenutzt. Alle Gebäude sind heute vermietet – auch wenn sie in den kommenden Jahren zum Teil noch besser gegen Wärmeverluste gedämmt werden müssen. „Wir wollten handeln, nicht weiter zuwarten“, sagt Mitinitiantin Barbara Buser. Bei Geldknappheit gehe man eben in Etappen vorwärts. Bewährt habe sich der ökologische Mietvertrag, der Mieterinnen und Mieter beispielsweise dazu ver-pflichtet, Wassersparventile und effiziente Lampen einzusetzen. Statt Parkplätzen gibt’s einen Verein, der seinen Mitgliedern die Mitbenutzung von Autos, Velos, Elektro-Bikes und SBB-Gene-ralabos ermöglicht. Lange Freizeitwege werden verkürzt, indem das Quartier selber attraktive Freizeitangebote bietet. Eingemietet im Gundeldinger Feld sind unter anderem ein Restaurant, ein Theater und eine Zirkusschule; ein Gemeinschaftssaal ist ebenso vorhanden wie ein überdachtes Spielfeld.

Klimafreundlicher Treibstoff
Weitere Projekte werden in nächster Zeit konkret: Die Eidgenössische Material-prüfungs- und Forschungsanstalt (Empa) in Dübendorf wird demnächst drei Pilotautos mit optimiertem Gasmotor nach Basel ausliefern; gleichzeitig planen die Industriellen Werke Basel den Bau zusätzlicher Gastankstellen. An diesen Tankstellen soll in naher Zukunft ein CO2-neutraler Treibstoff angeboten werden, erzeugt aus minderwertigem Waldholz.
Aber ist die Zeit überhaupt reif für solche Veränderungen? „Umweltschutz steht für viele Einwohnerinnen und Politiker nicht zuoberst auf der Prioritätenliste“, räumt Christoph Hartmann ein. Gerade deshalb aber sei es so wichtig, aufzuzeigen, was heute schon möglich sei: „Die Technik, um unseren Energieleistungsbedarf auf 2000 Watt pro Kopf zu senken, ist heute vorhanden. Sie zu nutzen, bedeutet bessere Luft, tiefere Gesundheitskosten und mehr Lebensqualität.“ Die möglichen Energieeinsparungen summieren sich auf mehrere Milliarden Franken jährlich und entsprechen ungefähr der Höhe des AHV-Budgets. Auch Akzeptanzforschung gehört zu den Prioritäten der ETH-Bereiche: Also herauszufinden, wie man die Bevölkerung motivieren könnte, diese ungeheure Chance zu packen und die Weichen jetzt richtig zu stellen.

Bild: Kinder und Erwachsene sollen im geplanten basler Stadtquartier der Zukunft auf dem Areal des ehemaligen Güterbahnhofs der Deutschen Bahn Erholungsraum direkt vor der Haustür finden.

Manifeste ENERGIE et PAYSAGE

Rassemblement suisse pour une politique raisonnable de l'énergie et de l'aménagement du territoire


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