Der Schweizer Heimatschutz (SHS) und die Stiftung Landschaftsschutz (SL) begrüssen die Ausarbeitung eines nationalen Konzeptes Windenergie. Der nun vorliegende Bericht enthält aber noch gravierende Mängel. Er macht einmal mehr deutlich, dass die Windenergie in der Schweiz nur marginale Bedeutung haben kann und 40 mögliche Standorte zuviel sind. Begleitgruppe erarbeitete Konzept Windenergie
Seit die Diskussion um die Windenergie in der Schweiz geführt wird, fordern der SHS und SL eine Koordination möglicher Standorte auf nationaler Ebene. Mit der Erarbeitung eines Konzeptes Windenergie Schweiz zwischen November 2002 und Mai 2003 ist das Bundesamt für Energie dieser Forderung nun nachgekommen. Die Erarbeitung wurde von einer Arbeitsgruppe, bestehend aus Vertretern des Landschaftsschutzes, der Windenergiewirtschaft und der Kantone begleitet. Ziel war, konsensfähige Kriterien für die Festlegung möglicher Standorte für eine Windenergienutzung zu finden. Als Resultat sollte eine Liste mit geeigneten und breit abgestützten, möglichen Standorten als Empfehlung an die Kantone gehen.
Schlussbericht mit Mängeln
Der nun vorliegende Schlussbericht kann leider die erklärten Ziele des Konzeptes nicht erfüllen. Nach wie vor gibt es eine Reihe kontroverser Kriterien, die nicht bereinigt werden konnten (z. B. Grösse der Pufferzonen rund um Schutzgebiete). Die Konzentration auf sogenannte GIS-fähige Kriterien, d.h. solche, die in elektronischer Form vorliegen und modelliert werden können, führte zu einseitig technisch orientierten Kriterien. Für den Landschaftsschutz wichtige Punkte wie Exponiertheit, Einsehbarkeit oder Struktur der Landschaft konnten nicht oder nur sehr ungenügend einbezogen werden. Die Bedenken des Landschaftsschutzes werden im Bericht nur ungenügend erwähnt. Dies kann zum falschen Eindruck führen, dass mit dem vorliegenden Papier alle zukünftigen Konflikte zwischen Landschaftsschutz und Windenergienutzung aus dem Weg geräumt sind.
Windenergie nur von marginaler Bedeutung
Die im Konzept Windenergie vorgestellte Ergebnisse zeigen einmal mehr, dass die Windenergie in der Schweiz nur eine marginale Bedeutung haben kann. Angesichts des geringen Windaufkommens (bzw. in den Bergen zu starken, wie die Demontage des beschädigten Windgenerators auf dem Gütsch zeigt ) und der damit verbundenen, geringen Effizienz ist die Beeinträchtigung in der kleinräumig strukturierten Landschaft nicht zu vertreten. Im Vergleich dazu erbringen Off-Shore-Anlagen in der Nordsee eine 2-3x höhere Energieausbeute. In diesem Zusammenhang muss auch das Ziel von EnergieSchweiz für das Jahr 2010 stark in Zweifel gezogen werden (50 100 GWh Windstrom, d.h. 0.08% -0.15% der Stromproduktion). Statt den steigenden Energiebedarf als gegeben anzusehen und neue (wenn auch saubere) Energiequellen zu suchen, sollte der Bund mehr auf Energieeffizienz und sparen setzen.
40 Standorte sind zu viel
Im Konzept werden 40 Gebiete aufgelistet, die als geeignet für die Windenergie empfohlen werden sollen. Bei einem Vollausbau könnten 512 GWh Windstrom erzeugt werden. Der SHS fordert, dass diese Zahl reduziert wird. Um das Ziel von EnergieSchweiz (50 GWh) zu erreichen, reichen 3-4 Standorte. Sämtliche Standorte, die kantonale Schutzzonen betreffen, sind auszuscheiden. Die verbleibenden müssen vor Ort eingehender evaluiert werden, bevor sie als geeignet empfohlen werden.
Rückfragen:
SHS: Philipp Maurer, Geschäftsführer, 01 254 57 00
SL: Dr. Raimund Rodewald, Geschäftsleiter, 031 312 20 01