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30.03.2004 - Neue Luzerner Zeitung

Windkraftwerk wird abgerissen - Gütsch - Andermatt

Das Elektrizitätswerk Ursern lässt das Windkraftwerk am Gütsch abreissen. Doch die Geschichte der Windkraft soll in Ursern weitergehen.

«Ich bin erleichtert», sagte der Betriebsleiter des Elektrizitätswerks Ursern (EWU), Markus Russi, gestern Nachmittag. Nach längeren Verhandlungen haben die Verantwortlichen des EWU zusammen mit Vertretern der ABB das Ende des ersten Windkraftwerks auf dem Gütsch besiegelt. «Die ABB nimmt die Anlage zu einem fairen Preis zurück», lobt Russi seine Verhandlungspartner.
Was war geschehen? Im Frühjahr 2002 liess das EWU auf dem Gütsch ob Andermatt das weltweit höchstgelegene Windkraftwerk der 800-Kilowatt-Klasse bauen. Ein Pilotprojekt. Geliefert wurde die Turbine von der holländischen Firma Lagerwey, als Lieferantin trat indes die ABB auf. Im Herbst 2002 war die Anlage am Netz. Sie entwickelte sich zum eigentlichen Touristenmagnet und sollte jährlich 1,2 bis 1,5 Millionen Kilowattstunden Ökostrom produzieren. Kein Wunder, liebäugelte Russi damals mit einer zweiten und einer dritten Anlage. Er betonte aber immer: «Erst einmal muss die erste zeigen, dass sie wintertauglich ist.»

Risse an den Nähten
Sie war es nicht. Im Gegenteil: Die Anlage funktionierte von Anfang an nicht richtig und lieferte deshalb auch die prognostizierte Strommenge nicht. Am Ende wiesen die Propellerblätter sogar Risse auf. Im Dezember musste man sie an den Nähten reparieren. Als sich im Januar erneut zeigte, dass die beiden Halbschalen, die das Blatt bilden, nicht richtig zusammenhalten, stellte das EWU die Anlage aus Sicherheitsgründen ab.
Auf eine neuerliche Reparatur verzichtete man. Erstens wäre es sehr teuer gewesen, die Blätter zu demontieren, per Pneukran in die Fabrik zu transportieren, dort in Stand zu setzen und dann wieder auf den Gütsch zu bringen. Zweitens ist die genaue Schadenursache noch nicht geklärt. Ob es ein Materialfehler war oder ob die Anlage den Turbulenzen auf dem Gütsch einfach nicht genügte? «Das steht noch nicht fest», sagt die stellvertretende Pressesprecherin der ABB, Melanie Nyfeler. «Aber wir haben von Anfang an gewusst, dass es kein einfaches Unterfangen sein wird, das Kraftwerk auf dieser Höhe und bei diesen extremen Winden zu betreiben.» Kommt ein dritter Punkt hinzu: Die holländische Firma Lagerwey ist im vergangenen Herbst Konkurs gegangen. Aus allen diesen Gründen kam das EWU nun mit der ABB überein, die Anlage abzureissen.

Stillhalteabkommen getroffen
Ende Oktober soll die Anlage unter der Federführung des EWU bis auf das Fundament abgebaut sein. «Was mit den einzelnen Teilen geschieht, ist noch nicht bekannt», so der EWU-Betriebsleiter Markus Russi. Wer für den Abbruch aufkommt, will er nicht bekannt geben.
Auch Melanie Nyfeler schweigt sich aus: «Wir haben ein Stillhalteabkommen geschlossen und werden keine Einzelheiten aus dem Vertrag bekannt geben.» Also gibt es auch keine näheren Angaben darüber, wer für den finanziellen Ausfall aufkommt. Seit dem Stillstand Mitte Januar belaufen sich die Ertragseinbussen nach Schätzungen von Markus Russi auf rund 40 000 Franken.

Auch ABB interessiert
Trotz des Rückschlags möchte das EWU an der Windkraft festhalten. Wind bläst auf dem Gütsch genug, und die nötige Infrastruktur für mehrere Anlagen ist vorhanden. Markus Russi möchte daher nicht aufgeben. «Unser Ziel ist es ganz klar, bis Ende September ein neues Kraftwerk in Betrieb zu haben, sofern es die Lieferfristen erlauben. Wir wollen beweisen, dass ein solches Windkraftwerk auf dem Gütsch tatsächlich funktionieren kann.» Auch die ABB ist dem neuen Projekt nicht abgeneigt: «Wir sind gerne bereit, Komponenten zu liefern», sagt Nyfeler. Einer erneuten Zusammenarbeit dürfte also nichts im Wege stehen. Es sei denn, der Wind blase doch zu stark.

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