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23.05.2005 - Neue Zürcher Zeitung

Gegen Windkraft-Subventionierung

SCHWEIZ - Briefe an die NZZ
23.05.2005
Wie auch in dieser Zeitung zu lesen war (NZZ 27. 4. 05), will die Energiekommission des Nationalrates die Förderpolitik von Ökostrom verbindlicher gestalten. Die Rede ist von 165 Millionen Franken pro Jahr, die von uns Endkunden zu berappen wären. Dass neben Geothermie, Biomasse und Sonnenenergie auch Windenergie auf der Liste der zu Vollkosten zu entschädigenden Produktion steht, muss allerdings überraschen.
Dass die Windverhältnisse in der Schweiz für die Energieerzeugung alles andere als günstig sind, dürfte bekannt sein. Zu wenig sind die Stunden im Jahr, in denen der Wind weder zu schwach noch zu stark weht. Ein viel gewichtigeres Argument gegen die Windenergie in der Schweiz ist allerdings die Tatsache, dass alle Kilowattstunden, die von Windturbinen erzeugt werden, praktisch nur exportiert werden können. Warum ist das so? Der Landesbedarf wird in unserem Lande durch Kern- und Wasserkraft gedeckt. Die Kernkraft deckt durch konstante Produktion die Grundlast (und wenn ein Kernkraftwerk ausser Betrieb ist, wird die fehlende Energie durch Importe mit konstanter Leistung gedeckt). Durch die Wasserkraftproduktion deckt man fast den ganzen Rest und insbesondere den Bedarf an Regelenergie für die Anpassung der Produktion an die Nachfrage. Nun wäre es absurd, durch Windproduktion Wasserkraftproduktion zu verdrängen. Letztere ist nicht nur erneuerbar, sondern auch dauernd verfügbar und modulierbar sowie preisgünstiger als die Windenergie.
Wir dürfen nicht vergessen, dass ein Windkraftwerk kein thermisches und kein Wasserkraftwerk ersetzen kann: Letztere müssen ja da sein für die Zeit, in der es nicht windet - und das ist die meiste Zeit. Wenn der Wind bläst, kann also ein bestehendes Kraftwerk heruntergefahren werden und somit Brennstoff gespart werden. Das kann, wie gesagt, nicht in der Schweiz, sondern zum Beispiel in Deutschland erfolgen, wo man damit Kohle sparen kann. Man wird also für die aus der Schweiz importierte Windenergie höchstens die Kosten der eingesparten Kohle erhalten, zuzüglich den Wert von CO2-Zertifikaten und abzüglich den Minderwert der windbedingten unregelmässigen Lieferbarkeit - und damit die Produktionskosten der Windkraftwerke bei weitem nicht decken. Fazit: Durch den Bau von Windkraftwerken in der Schweiz eliminieren wir, erstens, die Notwendigkeit von Wasser- und von Kernkraftwerken nicht; verschönern wir, zweitens, unsere Landschaft nicht und bezahlen wir, drittens, Millionen von Franken pro Jahr, damit die Luft im Ausland, z. B. in Deutschland, ein bisschen sauberer bleibt. Antonio Tiberini
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