ALLEMAGNE - Einen bitteren Vorgeschmack auf das nahende
Ende des Ölzeitalters spüren Deutschlands Verbraucher schon heute bei
ihrer Fahrt an die Tankstelle, bei jeder Heizölbestellung oder
Erdgasabrechnung. Doch während sich das Interesse auf Solar- und
Windenergie als künftige Alternativen konzentriert, fristen die
Bioenergien zur Zeit ein Schattendasein, obwohl sie als Alleskönner
gelten und schon heute mit über 60 Prozent den Löwenanteil an der
Energiebereitstellung aus erneuerbaren Energien liefern. Bis 2010 könnten Bioenergien bei sinkenden Erzeugungskosten rund
vier Prozent zur Stromerzeugung beitragen - auf dem Wärmemarkt
alternative Heizsysteme immer mehr Hausbesitzer und Wärmeversorger
unabhängig von Öl und Gas werden lassen. Selbst Bio-Kraftstoffe
können in einigen Jahren, vor allem bei steigenden oder unverändert
hohen Spritpreisen, zum konkurrenzfähigen Kraftstoff für die
wachsende Zahl von Autos werden.
Darüber hinaus bietet das Geschäftsfeld erneuerbare Energien den
traditionellen Landwirten eine interessante Einkommensalternative.
Vor dem Hintergrund der aktuellen Diskussionen um die
Agrarsubventionen der EU wird deutlich, dass die Bauern mittelfristig
eher mit weniger Fördermitteln auskommen und lukrative Alternativen
finden müssen. Dazu gehören nachwachsende Rohstoffe, schon allein
wegen ihrer Umweltfreundlichkeit. Bei der energetischen Verwertung
der CO2-haltigen Materie Biomasse wird nur soviel CO2 freigesetzt,
wie davor durch das Pflanzenwachstum aus der Luft gebunden wurde.
Eine stärkere Nutzung der Bio-Ressourcen gefährdet das Weltklima
nicht; anders als im Fall der fossilen Energien.
Experten sind sich längst darin einig, dass der Anteil der
Bioenergie in den kommenden Jahren stark anwachsen wird. Josef Auer
von Deutsche Bank Research betont dazu: "In Deutschland könnte der
Bio-Anteil am Primärenergieverbrauch bis 2030 unter günstigen
Annahmen den zweistelligen Bereich erreichen. Das wäre ein
beträchtlicher Sprung (heute: 2,3 Prozent)."
Auf Grund der gesetzlich vorgeschriebenen Verpflichtung der
Netzbetreiber, Anlagen zur Erzeugung von Strom nach dem
Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) an ihr Netz anzuschließen und den
gesamten angebotenen Strom abzunehmen, können die Betreiber von
Biomassekraftwerken Investoren gewinnen, die an einer
überdurchschnittlichen und dazu jahrelang gesicherten Rendite
interessiert sind.
Ein Beispiel: In der 22.000-Einwohner-Stadt Haldensleben
(Sachsen-Anhalt) entsteht in den nächsten Monaten ein Kraftwerk, das
mit Pflanzenöl aus Raps arbeiten wird. Knapp 15 Millionen Euro wollen
die Betreiber der "Deutsche Biomassekraftwerk I GmbH" investieren.
Die beteiligten Geldgeber erwartet eine jährliche Ausschüttung von
sieben Prozent in den nächsten 20 Jahren, dabei ist die Investition
mit einer Kapitalgarantie ausgestattet.