DEUTSCHLAND - Klarer hätte die Entscheidung im Gemeinderat am Dienstagabend nicht ausfallen können: Die Obernheimer wollen weder im Gewann 'Heimbuch' noch auf dem anvisierten Standort 'Herrenwinkel' im benachbarten Oberdigisheim Windkraftanlagen stehen sehen.
Obernheim Große Freude über dieses Votum herrschte in den Zuhörerreihen, die fast voll belegt waren. Eine Seltenheit, denn ansonsten zeigen die Bürger wenig Interesse daran, was hinter der Rathaus-Tür passiert. Allerdings lauschten ausnahmslos die Mitglieder des im Rahmen des Projektes 'Lebensqualität durch Nähe' gegründeten Arbeitskreises Tourismusförderung diesem brisanten Tagesordnungspunkt. Die Gruppe hatte sich im Vorfeld mit der Thematik ausführlich befasst. So lag dem Gremium ein von Dieter Richter verfasstes Schreiben vor, in dem gefordert wurde, Einspruch gegen die Ausweisung von so genannten 'Vorranggebieten für Windparks' einzulegen.Die von diesem Arbeitskreis vorgelegten Argumente deckten sich mit den Meinungen der Gemeinderäte. Sowohl 'Heimbuch' als auch 'Herrenwinkel' würden im Naturpark Obere Donau und in Landschaftsschutzgebieten liegen. Auch befürchtete man eine massive Beeinträchtigung des Ortsbildes. Außerdem verwies die Runde auf die Vorgabe des Regionalverbandes, die zwischen zwei Standorten einen Mindestabstand von fünf Kilometern vorsieht. 'Heimbuch' und 'Herrenwinkel' liegen allerdings nur dreieinhalb Kilometer auseinander. Gemeinderat Karl Robert Helble lobte die Aktivitäten des Projektes 'Lebensqualität durch Nähe'. Obernheim dann zwischen zwei Windparks einzukeilen, mache alle Bemühungen zunichte, das Dorf für Touristen attraktiv zu machen. Denn: 'Die ruhige Natur ist unser letztes Kapital.' Sein Kollege Jürgen Moser wollte untersucht haben, ob die Flächen nicht FFH-Gebiete seien und der Standort 'Heimbuch' nicht zu nahe am Harras und am Tanneck liege.
Dass der Meßstetter Gemeinderat für den Standort 'Herrenwinkel' votiert hat, kommentierte Bürgermeister Georg Maier wie folgt: 'Diejenigen, die eine Windkraftanlage nicht sehen, stimmen natürlich leichter zu.' Der Rathaus-Chef hatte vorgeschlagen, den Standort 'Heimbuch' zu befürworten, wenn im Gegenzug auf eine Anlage in Oberdigisheim verzichtet werde. Von dieser Überlegung hielt Bruno Moser gar nichts. Man müsse konsequent sein und dürfe daher keine Kompromisse eingehen. Andreas Ott war zwar nicht für eine Ausweisung - 'der Wind bei uns hier oben blooset it so narret wie in anderen Gegenden' -, die vom Arbeitskreis vorgebrachten Punkte hielt er trotzdem für etwas überzogen. Windkraft habe, wenn man immer erneuerbare Energie forcieren wolle, die gleiche Berechtigung wie zum Beispiel die Sonnenenergie.
Wie es nun weiter geht, wusste der Bürgermeister nicht genau. Bis 13. März dürfen die betroffenen Kommunen sich äußern, nach Sichtung aller Unterlagen rechnet er mit einem Termin für eine öffentliche Anhörung im Landratsamt.