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13.09.2006 - St. Galler Tagblatt

Wenig Wind im Wasserland

SCHWEIZ - Im Artikel wird über den Bau von Windkraftanlagen aufgrund der Aussagen von «Suisse Eole», der Lobby-Organisation für Windenergie in der Schweiz, berichtet. («Wind in den Turbinen», 6.9.06)
Die Befürworter der Windenergie übersehen geflissentlich, dass die Schweiz aus geografischen Gründen kein Windland, sondern ein Wasserland ist. Im Artikel heisst es: «Was man sich schon vor Jahrhunderten in Windmühlen zunutze machte, bringt auch heute noch Segen.» Das mag für Holland oder Norddeutschland gelten, aber nicht für die Schweiz. Hier gab es in früheren Jahrhunderten gar keine Windmühlen, sondern nur Wassermühlen!
Dies ist nicht zufällig. Der Grund ist, dass die Winde in der Schweiz viel zu schwach und zu unregelmässig wehen, um als Energieform sinnvoll genutzt werden zu können. Die Windkraftanlagen an den besten Standorten in der Schweiz können daher nur zu ca. 12% genutzt werden im Gegensatz zu 25% in Norddeutschland! Sie sind daher in der Schweiz auch doppelt so teuer. Für die Förderung von Windenergie würden daher in unserem Land Unsummen von Geld verschleudert, die im Sinne des Klimaschutzes wesentlich billiger und effektiver für die Förderung der Nutzung von Biomasse, insbesondere Holz und Solarthermie, vor allem aber auch für die Erhöhung der Energieeffizienz und damit für die Einsparung von Energie ausgegeben würden.
Durch die Windkraftanlagen werden die charakteristischen Landschaftsbilder umformiert und monopolisiert. Das Bild der im Tagblatt abgebildeten Anlage auf dem Reschenpass demonstriert dies schon deutlich. Dabei handelt es sich noch um eine kleine Anlage. Die neuen Anlagen sind 130 bis 150 m hoch, d.h. höher als irgendeine Kirche oder ein Hochhaus in der Schweiz.
Gemäss einer Studie des Bundesamtes für Energie sind bis 2010 «nur» fünf bis zehn Windparks vorgesehen. Diese würden aber gerade in den schönsten Landschaften der Schweiz im Jura und in den Voralpen stehen, weil dort die Windverhältnisse relativ am günstigsten sind. Trotzdem würde der Anteil der Windenergie an der Stromversorgung der Schweiz im Promillebereich bleiben. Damit man wenigstens in den Bereich von ein paar Prozent käme, müsste daher die Windenergie noch massiv weiter ausgebaut werden. So ist in der gleichen Studie von einem Potenzial von 2000 Grosswindanlagen die Rede. Da kann man nur sagen: Wehret den Anfängen!
Die Förderung der Windenergie in einem Wasserland wie der Schweiz ist, es sei wiederholt, völlig unsinnig.
Prof. Dr. Hans Ch. Binswanger
Institut für Wirtschaft und Ökologie, Universität St. Gallen
Tigerbergstr. 2, 9000 St. Gallen
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