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Revue de presse


22.08.2010 - NZZ am Sonntag

Der Wind dreht

JURA - Windenergie ist grün, sauber, trendig. Und seit sie der Staat fördert, herrscht ein regelrechter Boom bei Schweizer Windparkprojekten. Doch der Wind scheint zu drehen. Die riesigen Masten, der Lärm sowie die unkoordinierte Ausbreitung sorgen für Unmut in der Bevölkerung. Der erneuerbaren Energie droht ein Absturz, bevor sie abheben kann.

Man reibt sich die Augen. Die beiden Windturbinen ragen aus der bewaldeten Anhöhe des Jurakamms heraus. 120 Meter hoch sind die Maschinen. Ihnen zu Füssen liegt Saint-Brais, ein 220-Seelen-Dorf am nordöstlichen Eingang der Freiberge. Die Rotorblätter drehen, als wäre es das Natürlichste der Welt. Ausser ihnen bewegt sich hier nicht mehr viel. Das Café Central musste schliessen, das Hotel Soleil steht zum Verkauf. Ein Traktoranhänger rostet am Strassenrand und sucht einen neuen Besitzer – für Geld.

Geld ist auch der Grund, weshalb sich seit fast einem Jahr die Windräder in Saint-Brais drehen. «Bevor die Windkraft ins Dorf kam, hatten wir Defizite von bis zu 40 000 Franken. Jetzt sind wir 20 000 Franken im Plus», sagt Bürgermeister Frédy Froidevaux. Er plant bereits einen zweiten Windpark auf der anderen Seite des Dorfes: Diesmal sollen sogar sechs Turbinen aufgestellt werden. Die Gemeindeversammlung hat bereits grünes Licht gegeben, die Investoren – die Industriellen Betriebe der Stadt Genf (SIG) – stehen bereit. Der Bürgermeister ist begeistert: «Windkraft ist unsere Zukunft.»

Saubere Energie

Froidevaux hat die Zeichen der Zeit erkannt. Die Windkraft liegt im Trend. Politik und Wirtschaft suchen nach Ausweichmöglichkeiten zur Atomenergie. Die Windenergie gilt als grün und sauber. Sie hat in den vergangenen Jahren riesige Fortschritte gemacht hat – technologisch und wirtschaftlich. Kein grösseres Energieunternehmen kann es sich heute leisten, die Windkraft zu ignorieren, nur schon aus Imagegründen. Die kostendeckende Einspeisevergütung, mit der die meisten Projekte finanziert werden, verleiht der Windenergie zusätzlich Auftrieb: 400 Anlagen haben sich für die Subventionen angemeldet. Mehr als 140 Windturbinen sind heute in Planung.

«Wir haben in der Schweiz das Potenzial, ein Atomkraftwerk durch Windenergie zu ersetzen», davon ist der Energiepolitiker Rudolf Rechsteiner (sp.) überzeugt. Der Verband der Schweizer Windenergie, Suisse Eole, spricht davon, theoretisch bis im Jahr 2050 rund 7 Prozent des heutigen Stromverbrauchs mit Windkraft abdecken zu können. Um dies zu ermöglichen, müssten aber rund 800 Windmaschinen auf Schweizer Boden drehen. Heute sind erst rund zwei Dutzend solcher Turbinen im Einsatz, vorwiegend im Jurabogen und in den Voralpen. Sie decken gerade einmal ein Promille des heutigen Stromverbrauchs ab. Werden tatsächlich bald Hunderte zusätzlicher Windmaschinen aufgestellt? Trotz der Euphorie sind manche Stimmen skeptisch: «Viele Windprojekte werden nicht realisiert werden», sagt Bernard Staub. Er leitet das Amt für Raumplanung im Kanton Solothurn und ist Präsident der Konferenz der Kantonsplaner. Insbesondere im Jurabogen sei die Stimmung schlecht, sagt Martin Pfisterer, zuständig für den Bereich erneuerbare Energien beim Berner Stromunternehmen BKW. Die Hälfte der geplanten Windparkprojekte habe wohl keine Chance. Die Stimmung hat gedreht, seit die Windkraft mit riesigen Masten Einzug gehalten hat.

Pascale Hoffmeyer lebt mit ihrer Familie in Saint-Brais. Die Windturbinen sieht sie direkt vom Küchentisch aus, gut 300 Meter entfernt. In der EU beträgt heute der Mindestabstand 1000 bis 1500 Meter. Seit sich die Windturbinen drehen, hat die Familie Schlafstörungen, eine der Töchter musste gar in ärztliche Behandlung. «Die Beschwerden sind Folge des konstanten Lärms, dem wir ausgesetzt sind. Unerträglich ist er insbesondere in der Nacht. Das Geräusch hat einen Rhythmus, der einem schnellen Herzschlag entspricht. So kommt man nie zur Ruhe.» Dabei sei im Vorfeld versprochen worden, dass die Turbinen weder sichtbar noch hörbar seien. Froidevaux kennt die Klagen, spricht aber von vereinzelter Kritik. Dass man die Maschinen hört, räumt auch der Bürgermeister ein. «Vor allem wenn der Südwestwind weht», präzisiert Andreas Appenzeller, Geschäftsleiter der Energiegenossenschaft ADEV, die die Turbinen betreibt. «Der Lärm liegt unter den Höchstwerten.» Dennoch reduziere man nachts die Leistung der Turbinen. «Freiwillig», betont Appenzeller.

Der Strom von Saint-Brais kommt den Einwohnern der Stadt Zürich zugute. Damit kann der Verbrauch von 2000 Haushalten abgedeckt werden. Zürich braucht die erneuerbare Energie: Das Stimmvolk hat vor zwei Jahren den Ausstieg aus der Atomenergie innerhalb von 30 Jahren beschlossen und bereits 200 Millionen Franken für Investitionen in Windenergie bereitgestellt. Das EWZ will nicht bloss Strom einkaufen, sondern selbst Windkraftwerke betreiben. In der Schweiz ist ein Projekt auf dem Col du Mollendruz im Waadtländer Jura geplant, 12 Anlagen sollen hier gebaut werden. Weitere 40 Windturbinen sind im Waadtländer und Neuenburger Jura projektiert.
Schon vor über hundert Jahren kauften Städte wie Zürich die nötigen Energieressourcen aus ärmeren Regionen. Damals holte sich die Limmatstadt den Strom aus Wasserkraftwerken in Graubünden. «Das ist Neokolonialismus», kritisiert Roman Hapka, stellvertretender Geschäftsleiter der Stiftung Landschaftsschutz Schweiz.

«Die Zürcher sollten hierher kommen und sich ansehen, was diese Energie anrichtet», sagt Pascale Hoffmeyer. Für den Windenergiekonsum in der Stadt werde der Jura industrialisiert, die Landschaft verschandelt. Dagegen kämpfen auch Philippe Roch, früherer Direktor des Bundesamtes für Umwelt, Wald und Landschaft, und WWF Schweiz. Der Jurabogen sei von einer mystischen Schönheit: «Goethe und Rousseau haben darüber geschrieben. Das dürfen wir nicht zerstören.» Sinnvoller sei es, im Norden Europas Windparks zu bauen.

Roch ärgert sich darüber, dass in der Schweiz gar einzelne Bauern darüber bestimmen könnten, ob Windturbinen aufgestellt werden. Griffige Gesetze, die den Bau von Windturbinen regeln, fehlen. «Im Jurabogen wird unkoordiniert geplant. Mehr als 40 Projekte sollen entstehen. Viele sollen gar in Naturparks zu stehen kommen», sagt Hapka. Angefacht wird der Wildwuchs auch vom Kampf der Energieunternehmen um gute Standorte. Oft erhält in einer Gemeinde jenes Unternehmen den Zuschlag, das den Grundstückbesitzern die besten Preise für das Baurecht bietet. Die ADEV etwa konnte beim zweiten Projekt in Saint-Brais nicht mit der SIG mithalten. Und beim Windparkprojekt «La Peuchapatte» wurden die BKW vom Westschweizer Energieriesen Alpiq ausgebootet.

Der Bund subventioniert zwar viele Anlagen, gibt jedoch nicht vor, wo sie stehen sollen. Er mache unverbindliche Empfehlungen und lasse die Kantone gut föderalistisch ihre Raumplanung selber machen, sagt Hapka. Diese wiederum seien vom Tempo der Wirtschaft überfordert und kaum in der Lage, den Wildwuchs einzudämmen. Der Schweizer Landschaftsschutz fordert deshalb die Kantone auf, überregional zusammenzuarbeiten und die Windprojekte an sinnvollen Standorten zu konzentrieren. Möglich wäre etwa, den Vorzeige-Windpark Mont-Crosin auszuweiten. Die Kantone des Jurabogens sind daran, die Lage zu analysieren, wie Bernard Staub, Präsident der Kantonsplanerkonferenz, sagte.

Mehr Koordination nötig

Die Waadtländer Sektion von Pro Natura verlangt von ihrem Kanton sogar ein Moratorium, da die einzelnen Windprojekte heute zu wenig aufeinander abgestimmt seien. Derweil verlangt eine Initiative, dass Windprojekte im Neuenburger Jura vors Volk kommen. Die Promotoren der erneuerbaren Energie in Bundesbern versuchen den Widerstand kleinzureden. «Es ist eine lautstarke Minderheit, die sich gegen die Windkraft sträubt», sagt SP-Nationalrat Rudolf Rechsteiner. Die Landschaftsschützer würden übertreiben: «Wir haben in der Schweiz 35 000 Hochspannungsleitungen. Im Vergleich dazu sind 800 Windturbinen nicht viel.»

Der jurassische Regierungsrat Laurent Schaffter nimmt den Widerstand ernst und treibt ein Energiegesetz voran. In einem Richtplan hat er vier Gebiete für Windparks ausgeschieden. Saint-Brais II, so betont er, gehöre nicht zu den prioritären Orten. Die Familie Hoffmeyer wird dies freuen.

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