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Revue de presse suisse


06.10.2012 - Aargauer Zeitung

Ein Orkan fegt gegen den Windstrom

AARGAU - Standorte Heftige Kritik zu den Richtplan-Vorschlägen der Regierung für Windkraftwerke.

Kaum hat der Aargau fünf Hügelzüge für künftige Windkraftwerke von über 30 Meter Höhe präsentiert, braut sich auch schon ein gewaltiger Sturm gegen die neuen Energieanlagen zusammen. Die vorgeschlagenen Gebiete sind in der Richtplan-Teilkarte präzis aufgeführt: Die Burgfluh liegt zwischen Oberhof und dem Solothurner Kienberg, der Laubberg zwischen Gansingen und Hottwil, der Wessenberg zwischen Hottwil und Mandach, der Heitersberg zwischen dem Reusstal und dem Limmattal, der Laubberg südlich von Geltwil und teilweise auf Luzerner Gebiet – natürlich abgestimmt mit den Nachbar-Kantonen.

Windparks ab drei Kraftwerken

Wenn schon, denn schon, hat sich die Aargauer Regierung nach langen Abklärungen gesagt: Pro Gebiet müssen mindestens drei Anlagen gleichzeitig geplant und gebaut werden. Grundsätzlich gilt laut Abteilung Raumentwicklung, dass es genügend Wind braucht und keine überwiegenden anderen Interessen im Weg sind. Keine Naturschutzgebiete von kantonaler Bedeutung, keine Moore und Trockenwiesen gemäss Bundesinventar, keine Schutzzonen Grundwasser.

Protest von Jurapark und Pro Burg

Drei Gebiete liegen im Perimeter des Jurapark Aargau, was keine Freude auslöst: «Laubberg und Wessenberg sind für uns völlig unverständlich, sie befinden sich im Bundesinventar der Landschaften von nationaler Bedeutung (BLN), die Gemeinden sind dagegen», sagt Jurapark-Geschäftsführerin Christine Neff. Sie ist daran, ein Thesenpapier zu erarbeiten. Das Kosten-Nutzen-Verhältnis sei in unseren Regionen beim Wind höchst fragwürdig. «Auch beim Standort Burg sind wir sehr kritisch eingestellt», betont Neff.

Dies mit Ausnahme von Oberhof, wo Gemeindeammann und SVP-Grossrat Roger Fricker die Windenergie nach Noten lobt und fördert. Aber auch hier herrscht eisiger Gegenwind, bei dem die stärksten Rotoren einfrieren könnten.

Förster Werner Habermacher spricht für den Gegnerverein Pro Burg, der schon 260 Mitglieder hat «und täglich werden es mehr». Pro Burg tritt mit sieben Thesen gegen die Pläne an. «Die Karstgebiete mit den zerklüfteten Kalkböden sind geologisch sehr heikel, die Gemeinden Oberhof und Wölflinswil liegen nur 1100 bis 1200 Meter entfernt, in der Nähe hat es Naturschutzzonen und seltene Vogelarten», zählt Habermacher auf. In Europa brauche es mindestens 6,5 Meter Wind pro Sekunde, im Aargau nur 4,5 Meter. Am meisten beschäftigt den Förster der Forstbetriebe Wölflinswil, Herznach, Oberhof und Ueken, «dass die Ruhezonen und Naherholungsgebiete für die Menschen im Aargau kaputtgehen».

Am Heitersberg im Waldgebiet

Die Bewohner des Weilers Sennhof in Remetschwil können aufatmen: Das umstrittene Projekt in der Nähe ist vorerst gescheitert, das Departement Bau, Verkehr und Umwelt hat die Windzone deutlich nach Süden in den Wald verschoben, auf 1500 Meter Abstand vom Sennhof. Mit dem Standort im Wald sei die Bevölkerung eher geschützt, aber dafür werde der Naturschutz stärker tangiert und die neue Standortgemeinde Bellikon. «Wir werden das Windparkgebiet verhindern», sagt Christof Merkli von der Pro Heitersberg, die aus der IG Windland entstanden ist.

Gegen die teuren Subventionen

Die Verschandelung der Landschaft und die Lebensgefahr für Vögel sind ein Grund zur Ablehnung. Aber es gibt auch viele grundsätzliche Gegner. Sie bemängeln die hohen Subventionen auf Kosten aller Strombezüger. Pro Natura Aargau könnte an vertretbaren Standorten ja sagen, «wenn die Windenergie einen nennenswerten Beitrag an die Energieversorgung leisten könnte». Wir hätten ohne Verschwendung genug Strom, wenn der reale Erzeugerpreis bezahlt werden müsste. «Für die geringe Strommenge ist das Opfer für Landschaft, Vögel und Fledermäuse viel zu gross.» Pro Natura schlägt als lagerbare Alternative Holzgas und Methan aus der Tierhaltung vor.

Klar ist schon jetzt: Die bis zum 7. Dezember laufende Anhörung wird zu einer Flut der Ablehnung führen. Für Kraftwerke sind die Windpark-Gebiete erst die Planungsbasis – falls sie es in den Richtplan schaffen.

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